• V wie Ver

    Warum wirfst du die Maske nicht fort?
    Warum musst du aufrecht stehend ins Sterben gehen?

    Denn selbst wenn du stirbst
    beherrscht und distanziert
    erfüllt von ungespielter Macht
    und wie tausend Sterne strahlend
    so stirbst du am Ende doch

    Denn selbst wenn du gehst
    ohne mir je in die Augen zu sehen
    immer ein Vorbild und unantastbar
    vertraut allein durch meine Projektion
    in dein diamantgeschliffenes Herz
    so stirbst du am Ende doch

    Und woran ich denken muss:
    Das was bleiben wird
    ist splitterndes Glas durch den Zorn
    der aus dem Schmerz erwacht

    Am Ende stirbst du doch
    und was bleibt ist die Maske
    die der Tod für dich fortwirft
    Was bleibt ist die Zeit
    die den Schatten trägt
    Die Ahnung von deinem Gesicht

  • Nimm die Angst

    Ich bitte dich, heute Nacht
    und in allen, die folgen:

    Nimm uns die Angst, nicht wichtig zu sein
    für die, die wir lieben
    Komm zu mir und nimm die Angst

    Nimm die Angst, machtlos zu sein
    gegen die Trauer, die die Welt durchzieht

    Ich bitte dich, nimm die Angst
    bedeutungslos zu sein, für die Zukunft der Erde

    Heute Nacht und für immer
    nimm uns die Angst, einander ehrlich zu lieben
    und neu zu beginnen

    Nimm uns die Angst, unseren Chancen zu folgen
    Die Angst vor allem, das größer ist als wir

    Ich bitte dich, heute Nacht
    und in allen, die folgen:
    Nimm uns die Angst
    vor der Magie zwischen Menschen

  • Reime für einen Freund

    An diesem Tag werde ich bei dir sein

    Worte mit silbernen Zungen
    haben sich in die Lüfte geschwungen
    auf eine Reise zur fernen See
    – getrieben von leiser Wehmut –
    Denn heimlich verborgen und unbekannt
    liegt dort des Großmeisters Geistesland

    Und von Geisteshand erbaut steht das Fort – ein Wall
    der niemanden einlässt, außer dem Tor
    Dort vor seinen Pforten schäumt die Gischt
    darin gefangen: Ein jedes der Worte
    und langsam erlischt
    der Gedanke an das, was sie ausgesandt
    Falsche Rede will sagen: Es starb durch deine Hand

    Noch Jahre werden Wellen an die Tore schlagen
    Nach Jahren wird vielleicht ein neues Wort es wagen
    der Vernunft zu widerstehen
    auf die Irrfahrt zu gehen
    Denn eines fernen Tages – im weiten Geistesland –
    zerfällt auch Mauerstein zu Sand

  • Der eine Ring

    Wir einander – kaum gespürt
    Unsere Träume – unberührt
    Wohin hat uns das geführt?
    Gedanken wild und ungeniert
    Tränen wo der Tanz regiert
    fallen bis sie jemand fängt

    Ich habe mich an dich verschenkt
    mich tief in deinem Wunsch ertränkt
    Den Blick durch ferne Ziele beschränkt
    habe ich Wahrheit gesucht
    Doch du hast mich befreit
    Wir dafür – noch nicht bereit

    Unsere Leben – so viel Zeit
    und das geträumte Hochzeitskleid?
    Manche Pläne zeichnen Leid
    Tränen geben wir Geleit
    Sie wandern bis sie jemand weint

    Du hattest es nicht so gemeint…
    Auch wenn es hoffnungslos erscheint:
    Der Trotz, der uns noch immer eint
    die Leidenschaft, die weiter keimt…
    Und Hoffnung hat uns neu verführt

    Obwohl wir uns zu oft gespürt
    sind unsere Träume unberüht
    und wohin haben sie geführt?
    Gedanken – frei und ungeniert
    Doch jetzt ist alles kompliziert

  • Gefroren

    Wollt ihr mir wirklich erzählen, dass ihr nicht seid wie sie?
    Die Königin aus Eis?
    Lasst doch endlich los!
    Gefroren bis zur Perfektion
    Nur, dass euch hier niemand rettet
    im echten Leben
    ist Verzweiflung vernichtend
    und breitet sich aus wie die Pest.
    Selbst der Tod trägt sie weiter.

    Gefroren bis zur Harmonie
    Ihr habt es noch immer nicht begriffen
    doch ihr geht auf dem selben Weg
    jeder in seine eigene Richtung
    Und Leben bedeutet Entwicklung
    Dies ist kein Rundweg

    Also gibt es keine Mitte
    in der man sich irgendwann trifft
    Nur eine Ruine von einem Palast
    um zusammenzufinden
    müsstet ihr abzweigen
    Gefroren bis zum Frühling
    Doch was, wenn es nicht taut?

    Und wo bist du?
    Die beste aller Fragen an mich.
    Ich denke, ich habe mich verlaufen.
    Vielleicht bin ich der Schnee vor der Tür
    der Eiskristall am Fenster
    Gefroren bis zur Perfektion
    Weil ich den Weg nicht sehen konnte
    Weil alles weiß ist

    Gibt es ein Zurück?
    Der Wind trägt mich fort.
    Er wird es wissen.

  • Artist

    Der Schnee fällt
    Er ist quadratisch und silbern
    glitzernd wie Feuerwerk
    damit die Artistin sich dreht

    Dies ist der wahre Schnee
    wie wir ihn träumen
    damit die Artistin fliegt

    Der Schnee fällt
    rund und weiß
    Doch bildet er keine Kristalle
    regnet matt und in Schauern
    außerhalb des Scheinwerferlichts
    nur im Augenwinkel zu sehen

    Dies ist der Schnee unserer Träume
    Er lässt die Artistin fliegen