• Arroganz wird fallen

    Du siehst zu mir hinab
    und es wirft Schatten
    auf meine Seele
    und Licht in meine Träume
    Doch vergeblich suche ich den Hass
    als könne man tatsächlich
    seine Feinde lieben

    Was hast du mir gegeben?
    Außer dem Gefühl
    ein Nichts zu sein
    nach dem sich alle Menschen sehnen
    ohne Schuld an der Welt
    Das war dein Geschenk

    Der Sieg über dich
    wird einst mein größter sein
    Der Adler am Himmel
    der die eigenen Flügel bricht

  • Alternde Lyrik

    Sind wir denn wirklich verändert?
    Uns treibt doch noch immer
    dieselbe alte Angst
    Heute genauso wie damals
    Ich fühlte mich jedes Jahr anders
    Doch das bedeutet nichts

    Können wir Sinnlosigkeit wollen?
    Sollten wir nicht schon weiter sein?
    Ich glaube wir leben
    in besinnungslosen Kreisen
    und besinnungslos
    umwandern wir das Zentrum
    in einer Spirale nach außen
    So ertrinken wir tief unter Wasser
    Folgen der Spiegelung
    mit dem Rücken zum Licht

  • Wo alle Wege enden

    Wiederhole diese Worte in dir
    so lange bis sie wahr sind
    Hier gibt es nichts für uns zu finden
    Und wir werden uns beruhigen
    werden all die Versprechen vergessen
    und uns abfinden mit dem was ist
    Weil es schließlich nur so ist
    wie es immer schon war

  • Sterbende Stille

    Ich schenke der Stille ein Schweigen
    wie einen Blumenstrauß
    und zünde ein Lächeln für sie an
    Eine rote Kerze am Wegesrand

    Jedes Glitzern meiner Augen
    das sich in deinen spiegelt
    ist ein Trauergesang
    für deine perfekte Lautlosigkeit,
    die ich tragen will, wie einen Mantel
    die ich darum von dir stehle

    Seltsames Wissen um den Moment
    Denn jedes Mal wenn wir gemeinsam
    dem Schweigen verfallen
    fällt deine Stille ein wenig tiefer
    in ihr lang prophezeites Grab

  • Lavendel

    Die Luft riecht so sehr nach Lavendel
    dass sie schwer wird, in meinem Atem
    Und doch spüre ich den Winter
    in jedem Ding, das ich berühre
    Es sind meine Hände, die frieren

    Dieser Tag erinnert sich nicht
    an unsere Nacht am Meer
    Als der Sand von uns wich
    und das Wasser so weich war
    und so leicht wie Nichts
    Als die Luft so kalt war,
    dass meine Hände froren

    Erinnerst du dich ans Meer?
    Ich dachte dort, nur das Nichts
    stünde noch zwischen uns

    Doch so, wie Lavendel uns vom Winter trennt
    trennte das Ende des Tages
    uns damals voneinander

    Ich will den Lavendel ins Haus holen
    Und wenn es dann draußen schneit
    werde ich ihn ansehn und fragen:

    Von all den Chancen, die wir hatten
    war diese letzte nun die eine,
    die du nicht vergessen wirst?

  • Unverheilt

    Briefe an alte Feinde

    Ich liege stumm in der Nacht
    und wünsche mir so sehr
    ich könnte dich vergessen
    wie du mich vergessen hast

    Zwischen uns könnte heute
    alles ganz anders sein
    Und das ist es doch
    was wir damals schon wollten:
    Gute Freunde sein

    Eine Erinnerung wiegt die Nacht
    Ich wünschte ich könnte vergessen was war
    Könnte es gern so leicht vergessen
    wie du offenbar

    Dann könnten wir beide von vorne beginnen
    und ja, ich bin sicher:
    Wir könnten es dieses Mal besser
    Wir wüssten ja schon wie es geht

    Eine Erinnerung wiegt schwer in der Nacht

  • V wie Ver

    Warum wirfst du die Maske nicht fort?
    Warum musst du aufrecht stehend ins Sterben gehen?

    Denn selbst wenn du stirbst
    beherrscht und distanziert
    erfüllt von ungespielter Macht
    und wie tausend Sterne strahlend
    so stirbst du am Ende doch

    Denn selbst wenn du gehst
    ohne mir je in die Augen zu sehen
    immer ein Vorbild und unantastbar
    vertraut allein durch meine Projektion
    in dein diamantgeschliffenes Herz
    so stirbst du am Ende doch

    Und woran ich denken muss:
    Das was bleiben wird
    ist splitterndes Glas durch den Zorn
    der aus dem Schmerz erwacht

    Am Ende stirbst du doch
    und was bleibt ist die Maske
    die der Tod für dich fortwirft
    Was bleibt ist die Zeit
    die den Schatten trägt
    Die Ahnung von deinem Gesicht

  • Nimm die Angst

    Ich bitte dich, heute Nacht
    und in allen, die folgen:

    Nimm uns die Angst, nicht wichtig zu sein
    für die, die wir lieben
    Komm zu mir und nimm die Angst

    Nimm die Angst, machtlos zu sein
    gegen die Trauer, die die Welt durchzieht

    Ich bitte dich, nimm die Angst
    bedeutungslos zu sein, für die Zukunft der Erde

    Heute Nacht und für immer
    nimm uns die Angst, einander ehrlich zu lieben
    und neu zu beginnen

    Nimm uns die Angst, unseren Chancen zu folgen
    Die Angst vor allem, das größer ist als wir

    Ich bitte dich, heute Nacht
    und in allen, die folgen:
    Nimm uns die Angst
    vor der Magie zwischen Menschen

  • Reime für einen Freund

    An diesem Tag werde ich bei dir sein

    Worte mit silbernen Zungen
    haben sich in die Lüfte geschwungen
    auf eine Reise zur fernen See
    – getrieben von leiser Wehmut –
    Denn heimlich verborgen und unbekannt
    liegt dort des Großmeisters Geistesland

    Und von Geisteshand erbaut steht das Fort – ein Wall
    der niemanden einlässt, außer dem Tor
    Dort vor seinen Pforten schäumt die Gischt
    darin gefangen: Ein jedes der Worte
    und langsam erlischt
    der Gedanke an das, was sie ausgesandt
    Falsche Rede will sagen: Es starb durch deine Hand

    Noch Jahre werden Wellen an die Tore schlagen
    Nach Jahren wird vielleicht ein neues Wort es wagen
    der Vernunft zu widerstehen
    auf die Irrfahrt zu gehen
    Denn eines fernen Tages – im weiten Geistesland –
    zerfällt auch Mauerstein zu Sand

  • Der eine Ring

    Wir einander – kaum gespürt
    Unsere Träume – unberührt
    Wohin hat uns das geführt?
    Gedanken wild und ungeniert
    Tränen wo der Tanz regiert
    fallen bis sie jemand fängt

    Ich habe mich an dich verschenkt
    mich tief in deinem Wunsch ertränkt
    Den Blick durch ferne Ziele beschränkt
    habe ich Wahrheit gesucht
    Doch du hast mich befreit
    Wir dafür – noch nicht bereit

    Unsere Leben – so viel Zeit
    und das geträumte Hochzeitskleid?
    Manche Pläne zeichnen Leid
    Tränen geben wir Geleit
    Sie wandern bis sie jemand weint

    Du hattest es nicht so gemeint…
    Auch wenn es hoffnungslos erscheint:
    Der Trotz, der uns noch immer eint
    die Leidenschaft, die weiter keimt…
    Und Hoffnung hat uns neu verführt

    Obwohl wir uns zu oft gespürt
    sind unsere Träume unberüht
    und wohin haben sie geführt?
    Gedanken – frei und ungeniert
    Doch jetzt ist alles kompliziert