• Zuviel

    Mein Kopf wird zu Stein.
    Schmerzt in jeder Stille.

    All die Menschen dort draußen
    bedrängen mich
    jagen mich
    stürzen auf mich ein.

    In jeder Sekunde
    reißen sie an mir
    Mit jedem Atemzug
    akzeptiere ich
    Erwartungen an mich,
    Hass und Unverständnis.

    Mein Handeln ist nicht Meines
    Untrennbar verschmolzen
    mit dem Begehren der Anderen
    die vor meiner Haustür lauern.

  • Tintenblau

    Tintenblaues
    Blut aus meiner Feder
    läuft über meine Hand
    und glänzt auf den Fliesen

    Tintenblaues Blut
    im weißen Taschentuch
    Grausam vergeudet
    Gemacht für die Waffe
    die alles töten kann

    Tintenblut
    Blaues Herz
    zersetzt von Wasser
    wie von ätzender Säure
    Der Anblick frisst …
    zerfrisst …
    sich in
    und durch mein Herz.

    Tintenblaue Schönheit
    Herzblut
    meines Seins
    Waffe aller Waffen
    Komm zurück
    und nimm mich mit
    Friss mich auf
    zerreiß mich
    Zu Worten auf Papier.

  • Neumondtraum

    Es ist der Hass auf dieses Leben
    in dem alles nur zerbricht
    Will mich selbst nur leben lassen
    solange es erträglich ist

    So sitze ich hier
    mit Schatten auf dem Herzen
    mit der Sonne auf den Schultern
    und dem Wissen in Gedanken:
    All dies bleibt für immer.
    Nur Glück ist flüchtig und schwindet
    wie der Frühjahrswind in jedem Jahr
    Nur kommt es manchmal nicht wieder.

    Manchmal werden wir zu Wunden
    die kristallin und schwarz verheilen
    Was ist das alles gedankenlos
    den Schmerz erneut an Worte zu binden.
    Doch wie viele Gedanken
    kann ein Mensch denn ertragen?
    Bevor er am Ende zerbricht?
    Wie dicht kann ein Messer
    neben deinem Kissen schlafen?
    Bevor es kalt-silbern
    dein Herz küsst?

  • Morgenstern

    Morgenstern voll Eleganz
    am Horizont aus Eis
    Kometen treiben in den Wellen
    die du in die Kälte schlägst.

    Die Sonne macht sie schön
    und stürzt sie ins Verderben
    Leuchtend im Licht
    begleitet nur still
    beim Fall in die Dunkelheit.

  • Eine Ankunft

    Eines Tages in meinen Gedanken
    sah ich ein Eisgerippe

    Ich bin darauf gestanden
    habe es unter dem Schuh zertreten
    Zu Knochenstaub.

    Was ist daraus geworden?
    Nichts als Pulverschnee.
    Wenn ich an meine Knochen denke…
    Was wird aus ihnen werden
    wenn ich nicht mehr da bin
    um sie zu beschützen?

    So gehe ich Jahr für Jahr dahin
    Und unter meinen Füßen
    knicken Blüten, Gräser, Blätter
    bis schließlich am Ende auch hier
    nur eine Fußspur bleibt.

    Das Gedächtnis einer Reise
    die nur Zerstörung hinterlassen
    Und durch die Tränen der Folgenden
    wächst ein kleiner Baum.

  • Blaues Licht – Anbetung

    Einzelne Flocken, winzig und klein
    Zerbrechlichkeit vom Wind getragen
    klopfen ans Fenster und wollen hinein
    Doch wir lassen sie nicht.

    Sie setzen sich auf unsere Finger
    Sie tanzen in unserem Haar
    Sie schmelzen uns auf der Zunge
    und überschatten die Welt
    aus tiefdunklen Wolken.

    Hauchzarte Tropfen
    so zerbrechlich und klein
    vom Wind getragen
    wollen zum Fenster hinein

    Sie färben die Berge
    und glitzern silbern
    Sie kämpfen mit der Sonne
    und verlieren zu schnell

    Sie vermischen sich
    mit dem Blau des Himmels
    Sie füllen die Flüsse und Seen
    Bald stehen sie auf den Straßen
    und tragen dein Haus davon.

    Du Narr. Hast du gedacht
    sie würden einfach gehen
    wenn du nur nicht auf ihr Klopfen hörst?

  • Atem im Wind

    Ausatmen
    Und die Luft
    streicht durch Glöckchen
    fliegt zwischen ihnen hindurch
    tönt wie ein Lufthauch
    im fernen Wald.
    Nichts regt sich.

    Einatmen
    Und der Lufthauch
    warm und eisig
    unmerklich auf der Haut
    tönt in den Blättern
    wie eine ferne Straße
    fegt sie hinab in mein Haar.

    Ausatmen
    Und unter der fernen Straße
    tobt der Wind um Brückenpfeiler
    schlägt Äste und Steine
    ans metallene Geländer
    bis die Stütze vor dem Abgrund
    klagend singt wie ein Glockenschlag.

    Einatmen
    und irgendwo in der Ferne
    streicht der Wind durch Glöckchen
    fliegt zwischen ihnen
    und durch sie hindurch.
    Dann klingt
    ein Windspiel im Wind

    und mein Herz regt sich

  • Buchblüten

    Buchblüten - Rosensaiten

    Es gibt Orte
    an denen Worte
    töten
    lieben
    heilen
    hassen.
    leben lassen.

    Orte an denen Worte
    mehr sind
    als geschriebene Schrift.
    Gesprochene Gedanken

    An solchen Orten
    wachsen Bücher
    Geschichten und Gedichte
    wie Blüten in der Wüste

    Da hört man schwere Regentropfen
    auf den Boden schlagen
    wo rote Blüten im Sand verbluten
    und die Herzen der Rosen noch schlagen
    Mit Sehnsucht im Sinn
    für immer unerfüllt.
    Wer lang genug träumt, darf leben

    Da jagen sich verblichene Blätter
    stanzen lachend wie Kinder
    ihre gelbe Mahnung in die Wolken.
    Balladen über den nahenden Anfang
    Sie verwuscheln die Seiten
    und schreiben sie neu

    Da zieht durch die Tiefe
    die Seerose mit meergrünen Augen
    Zeigt dir die Schwärze
    und das einzige wahre Lächeln
    hält dich fest umschlungen
    in ihrer Welt der Tränen

    Da wispern die hauchzarten Geister
    Tuschelnde Stimmen im Sturm.
    Nur wer auf die Windstille wartet
    der wird ihre Weisheiten hören
    und wer sie auf sandigen Feldern sucht
    wird schließlich Frieden finden.

    Buchblüten - Phönixfedern

    So viele Rosen
    So viele Blüten
    Tausendfach Schönheit
    verwoben im Wind

    Doch welche Farbe
    hat die Rose des Phönix?
    Seine Flügel – so frei –
    streifen den Regenbogen.

  • Das Schweigen am PC

    Ich sitze da
    und warte.
    Ich kann sehen
    dass du da bist.

    Aber ich schreibe nichts.
    Ich warte.

    Ich weiß
    dass er da ist
    Der Fluch unserer Zeit
    dass ich auch weiß
    dass auch er weiß
    dass ich da bin und warte

    Aber er schreibt nichts
    Er schweigt.
    Und ich frage mich
    ob er wohl ebenso wartet
    ebenso hofft
    wie ich.

    Und vielleicht, weil er ebenso wartet
    schreiben wir beide nichts
    Doch im wahren Leben
    wären wir längst fortgelaufen
    Mit der Vorstellung im Nacken
    dass der andere sich nochmal umdreht
    Mit der glücklichen Gewissheit
    dass es unerträglich ist
    für beide.

    Hier aber schreiben wir beide nichts
    Wir warten und hoffen.
    Bis einer aufgibt.

    und das bist du
    wie immer.

    Ich dagegen sitze hier
    und frage mich
    ob du wohl auch gewartet hast
    wie ich
    Und noch Stunden danach höre ich
    statt dem Ticken der Uhr
    das Geräusch, das mir sagt
    du bist nicht allein

    Aber da ist nichts.

    Weil ich nichts schrieb.

  • Bittersüß

    Mit Bitterkeit im Herzen
    steht die Nacht still.
    Wind im Fell aus gefrorenem Glas
    und Augen wie Schneekugeln.

    Bitterkeit des Herzens.
    In den Straßen knirschen sie schon
    die Blätter der Herbstbäume.
    Begraben unter frühem Frost.

    Tränen der Bitterkeit
    lauern über meinem Fenster
    kriechen über die Scheibe
    wie ein halbflüssiges Tier.

    Bitterkeit der Nacht
    kreist wie Wasser im Leben
    verzerrt die Sicht wie Eis
    und wäscht sie rein wie Regen.