• Zerstört – Mein Wesen

    Eine Maske aus Gold
    Strahlendes Lachen
    Bunte Federn
    So fröhlich

    Eine Mauer aus Eis
    Distanziertes Herz
    Grauer Schleier
    So verbittert

    Ein Karussell aus Stahl
    Gefangener Verstand
    Verschlungene Muster
    So kompliziert

    Ein Labyrinth aus Stein
    Vereinsamte Seele
    Geschlossene Wege
    So verloren

    Das alles geschaffen
    um das Wesen zu schützen
    Vor aller Hoffnung
    Vor allem Vertrauen

    Nach außen hin offen
    Im Innern zerbrochen

    Das alles geschaffen
    um es zu schützen
    Vor aller Nähe
    Vor allem Leid

    Weil alles was es war zerbrach
    und etwas Neues hinterließ

    Neue Leere
    Neue Scherben

    Immer tiefer
    Immer feiner

  • Schwalbenschwanzträume

    Wir stehen am Anfang
    der Brücke

    Unter uns
    eine Hochspannungsleitung
    Tiefer unten:
    Links Zuggleise
    rechts ein Fluss

    Die Sonne im Rücken
    den Wind im Gesicht

    Komm Schwalbe
    flieg hinab
    Der Regen fällt schwer
    auf blaue Federn.

    Wir stehen am Anfang
    der Brücke
    auf dem Geländer

    Die Sonne unter uns
    den Wind in den Augen.
    Sie tränen
    vor Kälte
    vor Glück.

    Wir stehen am Anfang
    am Anfang der Brücke

    Wir folgen der Sonne
    hinab zu den Schwalben
    denn der Regen fällt
    und der Wind drückt schwer
    auf blaue Geister.

  • Zugfahrtzyklus

    Belanglose Dinge erscheinen in Schleifen
    Immer und wieder aufs Neue

    Geruch
    zwischen Alkohol und Zigaretten
    Irgendeine Medizin
    hinuntergestürzt wie Schnaps
    mit ekelverzerrtem Gesicht
    Treibt mir Tränen in die Augen

    Habe gerade daran gedacht
    wie man im Leben weiterkommt
    und letzten Endes
    flüchten er und ich
    in fremde Musik,
    die unsere ist
    und nicht deine
    Die meine ist
    und nicht seine.

    Er macht die Jacke zu
    „You Love Life“
    steht dort geschrieben
    und die junge Frau
    stürzt beinahe
    als sie ihm zu lange
    mit den Augen folgt.

  • Zuviel

    Mein Kopf wird zu Stein.
    Schmerzt in jeder Stille.

    All die Menschen dort draußen
    bedrängen mich
    jagen mich
    stürzen auf mich ein.

    In jeder Sekunde
    reißen sie an mir
    Mit jedem Atemzug
    akzeptiere ich
    Erwartungen an mich,
    Hass und Unverständnis.

    Mein Handeln ist nicht Meines
    Untrennbar verschmolzen
    mit dem Begehren der Anderen
    die vor meiner Haustür lauern.

  • Tintenblau

    Tintenblaues
    Blut aus meiner Feder
    läuft über meine Hand
    und glänzt auf den Fliesen

    Tintenblaues Blut
    im weißen Taschentuch
    Grausam vergeudet
    Gemacht für die Waffe
    die alles töten kann

    Tintenblut
    Blaues Herz
    zersetzt von Wasser
    wie von ätzender Säure
    Der Anblick frisst …
    zerfrisst …
    sich in
    und durch mein Herz.

    Tintenblaue Schönheit
    Herzblut
    meines Seins
    Waffe aller Waffen
    Komm zurück
    und nimm mich mit
    Friss mich auf
    zerreiß mich
    Zu Worten auf Papier.

  • Neumondtraum

    Es ist der Hass auf dieses Leben
    in dem alles nur zerbricht
    Will mich selbst nur leben lassen
    solange es erträglich ist

    So sitze ich hier
    mit Schatten auf dem Herzen
    mit der Sonne auf den Schultern
    und dem Wissen in Gedanken:
    All dies bleibt für immer.
    Nur Glück ist flüchtig und schwindet
    wie der Frühjahrswind in jedem Jahr
    Nur kommt es manchmal nicht wieder.

    Manchmal werden wir zu Wunden
    die kristallin und schwarz verheilen
    Was ist das alles gedankenlos
    den Schmerz erneut an Worte zu binden.
    Doch wie viele Gedanken
    kann ein Mensch denn ertragen?
    Bevor er am Ende zerbricht?
    Wie dicht kann ein Messer
    neben deinem Kissen schlafen?
    Bevor es kalt-silbern
    dein Herz küsst?

  • Morgenstern

    Morgenstern voll Eleganz
    am Horizont aus Eis
    Kometen treiben in den Wellen
    die du in die Kälte schlägst.

    Die Sonne macht sie schön
    und stürzt sie ins Verderben
    Leuchtend im Licht
    begleitet nur still
    beim Fall in die Dunkelheit.

  • Eine Ankunft

    Eines Tages in meinen Gedanken
    sah ich ein Eisgerippe

    Ich bin darauf gestanden
    habe es unter dem Schuh zertreten
    Zu Knochenstaub.

    Was ist daraus geworden?
    Nichts als Pulverschnee.
    Wenn ich an meine Knochen denke…
    Was wird aus ihnen werden
    wenn ich nicht mehr da bin
    um sie zu beschützen?

    So gehe ich Jahr für Jahr dahin
    Und unter meinen Füßen
    knicken Blüten, Gräser, Blätter
    bis schließlich am Ende auch hier
    nur eine Fußspur bleibt.

    Das Gedächtnis einer Reise
    die nur Zerstörung hinterlassen
    Und durch die Tränen der Folgenden
    wächst ein kleiner Baum.

  • Blaues Licht – Anbetung

    Einzelne Flocken, winzig und klein
    Zerbrechlichkeit vom Wind getragen
    klopfen ans Fenster und wollen hinein
    Doch wir lassen sie nicht.

    Sie setzen sich auf unsere Finger
    Sie tanzen in unserem Haar
    Sie schmelzen uns auf der Zunge
    und überschatten die Welt
    aus tiefdunklen Wolken.

    Hauchzarte Tropfen
    so zerbrechlich und klein
    vom Wind getragen
    wollen zum Fenster hinein

    Sie färben die Berge
    und glitzern silbern
    Sie kämpfen mit der Sonne
    und verlieren zu schnell

    Sie vermischen sich
    mit dem Blau des Himmels
    Sie füllen die Flüsse und Seen
    Bald stehen sie auf den Straßen
    und tragen dein Haus davon.

    Du Narr. Hast du gedacht
    sie würden einfach gehen
    wenn du nur nicht auf ihr Klopfen hörst?

  • Atem im Wind

    Ausatmen
    Und die Luft
    streicht durch Glöckchen
    fliegt zwischen ihnen hindurch
    tönt wie ein Lufthauch
    im fernen Wald.
    Nichts regt sich.

    Einatmen
    Und der Lufthauch
    warm und eisig
    unmerklich auf der Haut
    tönt in den Blättern
    wie eine ferne Straße
    fegt sie hinab in mein Haar.

    Ausatmen
    Und unter der fernen Straße
    tobt der Wind um Brückenpfeiler
    schlägt Äste und Steine
    ans metallene Geländer
    bis die Stütze vor dem Abgrund
    klagend singt wie ein Glockenschlag.

    Einatmen
    und irgendwo in der Ferne
    streicht der Wind durch Glöckchen
    fliegt zwischen ihnen
    und durch sie hindurch.
    Dann klingt
    ein Windspiel im Wind

    und mein Herz regt sich